Im Sommer ist mein Garten am vollsten, als Fotomotiv gefällt er mir im Herbst aber am besten. Die Sonne steht tiefer, die Farben werden wärmer, und morgens liegt oft Tau auf allem. Seit einigen Jahren gehe ich an klaren Oktobertagen deshalb vor dem Frühstück mit der Kamera hinaus. Was sich dabei bewährt hat, schreibe ich hier auf.
Die richtige Tageszeit ist alles
Das schönste Licht gibt es kurz nach Sonnenaufgang. Die Sonne steht dann flach, die Schatten sind lang, und in den Spinnennetzen zwischen den Heckenzweigen hängen Tautropfen wie kleine Perlen. Schon eine Stunde später ist der Tau oft verdunstet und das Licht deutlich härter.
Am späten Nachmittag wiederholt sich das Schauspiel in etwas wärmeren Tönen. Wer tagsüber arbeitet, hat nach der Zeitumstellung Ende Oktober morgens noch eine gute Chance, denn dann wird es wieder etwas früher hell. Nebeltage sollte man übrigens nicht verschenken. Die Hecke im Dunst hat eine Ruhe, die ein Sonnentag nie hat.
Was sich in der Praxis bewährt hat
Ein paar Kniffe haben meine Herbstbilder deutlich verbessert:
- Gegen das Licht fotografieren: Blätter leuchten, wenn die Sonne durch sie hindurchscheint. Die Sonne selbst dabei hinter einem Zweig oder Stamm verstecken, sonst überstrahlt das Bild.
- In die Knie gehen: Aus Augenhöhe sieht der Garten aus wie immer. Von unten wirken Gräser, Astern und Fruchtstände plötzlich groß.
- Nicht aufräumen, bevor fotografiert ist: Abgeblühte Samenstände, Hagebutten und das erste Falllaub sind die besten Motive der Saison.
- Belichtung korrigieren: Viele Kameras belichten Gegenlichtszenen zu dunkel. Eine leichte Plus-Korrektur hilft, ohne dass die Farben ausbrennen.
- Ein Stativ oder eine Mauerkante nutzen: Morgens ist das Licht schwach, und ein ruhiges Auflegen verhindert verwackelte Nahaufnahmen.
Was ich mit den Bildern mache
Aus jedem Herbst suche ich mir am Ende eine Handvoll Aufnahmen heraus, meist nicht mehr als zehn. Sie kommen in einen eigenen Ordner, sortiert nach Beet und Datum. Mit den Jahren ist daraus eine Art Gartentagebuch geworden. Ich sehe darin, wann die Hecke sich zuerst verfärbt hat, welche Stauden zu dicht standen und wo im nächsten Frühjahr Platz für etwas Neues ist. So helfen mir die Fotos auch bei der Planung, und die Arbeit mit Schere und Spaten bekommt ein Gedächtnis.
Die Kamera spielt dabei eine kleinere Rolle, als man denkt. Viele meiner liebsten Aufnahmen aus dem letzten Herbst sind mit dem Telefon entstanden, einfach weil ich es beim Laubrechen in der Tasche hatte und das Licht in dem Moment stimmte. Entscheidend ist, dass man hinausgeht, wenn es draußen noch still ist, und sich Zeit für ein einziges Beet nimmt, statt den ganzen Garten in fünf Minuten abzulichten.